YAHOOS - GARDEN - Die Fürstenfelder Wasser Biennale


Yahoos - Garden ist eine Projekt Biennale, die das Medium Wasser für temporäre künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum nutzt. Dabei ist die äquivoke Namenswahl des Projekts durchaus programmatisch zu verstehen: Yahoos, wie sie in Jonathan Swifts fantastisch-satirischem Reiseroman „Gullivers Reisen“ beschrieben werden, sind humanoide, wilde Mischwesen von triebhaftem und unkontrollierbarem Verhalten, die als Diener der übermenschlichen Pferde fungieren. Der Name des Internetportals Yahoo! - mittlerweile auch zu einer eigenständigen Suchmaschine avanciert - leitet sich einerseits von Swifts Roman ab, wird aber sowohl als Akronym als auch in seiner direkten Bedeutung von „unverfälscht“ verstanden. Ein bloßer Name bietet hier Anlass, ein weites Feld von Bedeutungen aufzuspannen: Ursprünglichkeit und Dienstleistung als Knotenpunkte für eine Reflexion unserer Wahrnehmungssensibilitäten im Alltag. Suchmaschinen indizieren unsere Welt, spiegeln den Zeitgeist wider, - was noch nie niemand gefragt hat, wird mit den jetzigen Bordmitteln der Suchalgorithmen nicht gefunden werden. Ständige Veränderungen und beliebig austauschbare Verweise auf Quellen untergraben Autoritätsansprüche. Die (digitale) Welt ist im Fluss, deren Wasser überschwappt auf unser aller Welt-verständnis.

Das Zentrum von „Yahoos-Garden“ bildet der sogenannte Salesgraben, ein markanter Geländeeinschnitt am nördlichen Stadtrand von Fürstenfeld, gelegen am Abhang zum Fluss Feistritz und benannt nach dem Maler Victor von Sales. Für die Dauer der Biennale verwandelt sich dieser Graben, die Stadt und die Region um Fürstenfeld, in einen Garden – in eine „nasse Welt“, worin unterschiedliche Lebensbereiche sich einander annähern und verschmelzen können. Der sich dabei entwickelnde synthetisierende Prozess vermag Grenzen zu umschiffen und mündet so in ein flexibles Kontinuum.

Wasser als liquide Form verkörpert Leben und Entwicklung. Selbst unsere apriori festgesetzten Raum – Zeitkategorien werden in anschaulicher Weise durch das Element Wasser ins Wanken gebracht, das Subjekt des Empfindens kann hier außen vor bleiben. Wasser stimuliert eine Utopie, eine gewisse Ort- und Zustandslosigkeit. Seine indifferenten Eigenschaften – hinsichtlich seiner physikalischen Natur als auch symbolischen Bedeutung - bieten sich dazu an, Systemgrenzen transparent zu machen, Kunst und Leben ineinanderfließen zu lassen, und Aufmerksamkeit für strukturelle Veränderungen zu erzeugen. Dementsprechend ist der Faktor Zeit in den Kunstprojekten der Biennale von konstitutiver Bedeutung. Als temporäre Markierungen inmitten eines komplexen, fluktuierenden Lebensraumes, ermöglichen sie eine sinnliche Aneignung des Raumes, wodurch Anlässe für Identifika-tion geschaffen werden.

Gerade die Kleinstadt und ihre Region bildet ein besonderes Konglomerat von Dichte und Weite. Die höhere soziale Verflechtung bewirkt eine Lockerung von starren Gefügen. Multifunktionalismen und doppelsinnige
Semantiken prägen das Bild der kleinstädtischen und peripheren Gesellschaft. Zeitgenössische Kunst sieht sich hier direkt und unmittelbar mit einer traditionsbehafteten Umwelt konfrontiert. Im Gegensatz zum ausdifferenzierten System des Kunstmarktes, wo der Signifikant „Kunst“ als hinreichend empfunden wird, stehen hier die KünstlerInnen vor Ort, - dem tatsächlich existierenden kulturellen Feld gegenüber. Es gilt angesichts eines kulturellen Populismus Terrain zu erobern, - nicht zuletzt um Ansprüche auf Lizenzgebühren zu rechtfertigen.

Günther Pedrotti, 2010 - Initiator & Künstlerischer Leiter