Bildernavigator im MARMORSILO - 2021

Shifting Territories von Alice VON ALTEN - 2021

Paternoster von Günther PEDROTTI - 2021

Kanale Landnahmen mit Nina MARKARTs Fluctugraphen und BIBER & Co (Frühsommer 2021: Termine werden bekanntgegeben)

Die Biennale bedarf vorhandener wasserbaulicher Wasserdurchlässe oder betongeglätteter Gerinne für einen hydraulischen Rückstau um dort ihr befahrbares Fluss- und Bachwegenetz zu erweitern.
Dem Biber gelingt dies auch an natürlichen Bachböschungen wobei die Biennale diese Wasserflächen mit Nina Markart´s Fluctugraphen befahren und "seismisch" erkunden wird.

Biber erobern dabei durch kanale Landnahme neue Räume und erzeugen Wasseroberflächen die durch ihren alles verschließenden Rückstau für viele als Fremdkörper erscheinen, da sie die Hochwassermetaphorik als Bildvorlage, überhöht darstellen.

GP

Marmorsilo von Nicole KRENN am 13.8.2020 (Am Ende Baumgasse / Fürstenfeld)

Folder mit Text von Wojciech CZAJA

Marmordekorationsmalerei - an der Außenwand eines Betonsilos.

Marmor in der Architektur symbolisiert Macht und Repräsentation. Diese Dekorationsmalerei erinnert uns unter anderem daran, dass Machtausübung nur eine Täuschung sein kann. Ebenso wie die Herrschaft des Menschen über die Natur, die keine Realität, sondern gut getarnte Illusion ist.
NK

Wasser auf Stein

Die Marmormalerei von Nicole KRENN bildet GESTEIN in einer Landschaft ab wo dieses nur gebrochen und geschliffen als Schotter, als Geschiebe in Flüssen sichtbar lagert.

Hans-Dieter Bahr schreibt in seinem Text „Gezeiten": „Über das Bild des Gesteins scheint man zur Metapher eines erinnerungsfähigen Gedächtnisses zu kommen, da sich an seiner Oberfläche Zeit durch Abtragung permanent einzuschreiben versucht". Doch soll das liquide Wasser hier vorerst nur in seiner Abwesenheit eine Rolle spielen, obwohl wir uns über einer geologischen Formation befinden wo die unzugänglichen Tiefen des Gesteins in liquider Form als Lava an die Oberfläche traten.

„Da diese unzugängliche Tiefe des Gesteins sich nicht ergründen lässt versuchen wir sie an seiner Oberfläche aufzubrechen und als Sub-stanz zu verstehen". Mit intuitivem Zugang, wo Erfahrung und Erkenntnis nahe zusammenliegen, stehen wir heute vor jenen Grenzsteinen, die 1719 wenige Kilometer von hier gesetzt wurden - Grenzzeichen aus der Substanz Stein die eine Grenzlinie mit der Erinnerung an unbezwingbare Berge als vermeintlich natürliche Grenze zu behaupten verstehen.

Neben den vom Wasserbau und Wasserkraft stillgelegten, stehenden und stagnierenden Gewässern erscheinen uns neuerdings bedingt durch die planetarische Physik des Wetters Bilder von abwesenden verronnenen Fluten in sogenannten Trockenbächen. Dort „taucht mit dem Trockenen die ereignislose Dauer eines Gesteins, eines Grundes wieder auf, von dem die Fluten einst getragen waren"(Bahr).
In Hilflosigkeit vor der Natur verfügt der Mensch bei Flüssen nur die Gestaltungsmöglichkeit, die Wasserhöhe zu bestimmen und ihre Ufer zu formen. Das stillgelegte Wasser selbst nimmt dabei immer die Gestaltung eines klaren Spiegels an, der den tragenden Untergrund STEIN als Erinnerungsträger durch einen Reflexionskanal abzulösen versucht. Denn was sich über diesen Spiegel als anwesend reflektiert, wird nicht eingeschrieben und nicht bewahrt.

Und somit sind wir bei Nicole Krenns Kunst-Marmorsilo angelangt, der von sich als Bauwerk behauptet zwischen Erde und Himmel einen Keller und einen Dachboden zu haben; dazwischen gemaltes Gestein von ereignisloser Dauer oder als verlässlicher Träger von Erinnerungen!?

Günther Pedrotti, Wien 5.8.2020

 

Marmorsilo: Nicole Krenn

Fluctugraph von Nina MARKART am 01.08.2020 (Fluss Feistritz neben Mariainsel / Fürstenfeld)

Es handelt sich beim Fluctugraphen um eine analoge Low-Tech-Vorrichtung, wo Stifte, die mit dem Bootskörper in Verbindung stehen, Aufzeichnungen auf Papier vollbringen. Durch die unterschiedlichen Frequenzen der Bewegungen der Gewässer hinterlassen die Stifte unterschiedliche Spuren auf dem Papier im Rumpf des Bootes.
Der Fluctugraph, zeichnet als Aufnahme- und Ausgabe-Medium die Spuren von etwas auf. Aber wovon? Vom Wind, der über das Wasser streicht, dem Wellengang oder von der Strömung des Wassers, welche durch die Windungen des Flusses verändert wird. Es gibt keine linear-decodierbare Informationen, sondern Zeichnungen mit vielschichtigen Bedeutungen.
N. M.

Der hier verwendete Bootstyp des sogenannten Banana-Bootes ist wohl den meisten unbekannt und überrascht mit seinem Aussehen. Er wurde Anfang der 70iger Jahre entwickelt und kann als FALTBOOT transportiert und vor Ort aufgeklappt werden, womit seine Handhabung ein wesentlicher Teil der Betriebsanleitung ist, um Nina Markarts mobilen Fluctugraphen in Gang zu setzen.

Die Künstlerin nimmt anschließend nicht selbst Platz - sie überlässt es drei Stiften den Wasser- und Wellengang des Bootes auf zu zeichnen. Der Low-Tech-Aufbau selbst besteht aus durch Gewichte vorgespannte Stahldrähte, die als Schwingungsverstärker Stifte bewegen. Eine aufgelegte horizontale Holzplatte als Träger des Zeichenblattes macht im Betrieb schnell klar, dass nicht die Zeichenstifte, sondern das Boot sich unter den Stiften bewegt. Diese haben dabei die Tendenz, gebremst durch ihre Trägheit, wie eine Kompassnadel nicht nach Norden, wohl aber zum Erdmittelpunkt zu orientieren.
Der Künstlerin ist in diesem Projekt nicht das Befahren eines Flusses wichtig - es ist die Bewegung an sich, seine verschiedenen Wellenfrequenzen im Wasser - und das kann auch in einem Freibad durch Menschen oder in einem Springbrunnen durch Pumpen bewegt sein - die es gilt wahrzunehmen.

Markarts Fluctugraph erinnert an einfache technische Lösungen der Strömungsmessung im 19. Jahrhundert, wo schwimmende Glaskugeln in die Strömung geworfen und deren Bewegungen photographisch vermessen wurden.
Doch sind diese Zeichnungen nicht nur mechanistische Übertragungen einer Maschine die dem Bootskörper am Ende einer jeden Messfahrt entnommen werden: es handelt sich vielmehr um ein Protokoll eines Überschusses in der Wirkung über eine Ursache hinaus. Denn untereinander korrelieren alle grafischen Aufzeichnungen, da grundsätzlich Wasserwellen sowohl in Modellsimulationen als auch in Naturgröße die Fähigkeit besitzen übereinstimmende mathematische Eigenschaften ab zu bilden.
Auch deshalb scheinen uns die Zeichnungen des Fluctugraphen noch näher an eine naturwissenschaftliche Aussage hinzuführen.

Von diesen Betrachtungen ableitend kann den Aufzeichnungsfahrten des Fluctugraphen wohl auch die metaphorische Rolle einer seismischen Aufzeichnung des gesellschaftlichen Wellenschlags der Wasser Biennale zugesprochen werden.

Günther Pedrotti, Wien Sep 2020

Die Zeichnungen werden 2021 in einer Ausstellung in FF gezeigt werden!!!!!!

Dazu erscheint ein Katalog.

Nina Markart Fluctugraph

Vocal Naps - Flow III am 01.08.2020 (auf der Mariainsel / Fürstenfeld)

VOCAL NAPS - FLOW III Konzept: Anne Glassner, Nicole Krenn, Mona Rabofsky

Mitwirkende: Patricia Bustos, Karin Diaz, Anne Glassner, Hartwig Hermann, Regina Hügli, Dominik Krenn, Nicole Krenn, Mona Rabofsky, Fred Riegler

Vocal Naps wird die Mariainsel in Fürstenfeld im Zuge der 7. Wasser Biennale performativ und klanglich bespielen. Vocal Naps ist ein Format, in dem die ProtagonistInnen im Rahmen kurzer Naps an ungewöhnlichen Orten im öffentlichem Raum unterschiedliche Verbindungen mit vokalen Experimenten, derzeit vordergründig basierend auf Jodlern, eingehen. Die dramaturgische Handlung ist dabei auf ein Minimum reduziert. In Auseinandersetzung mit dem Aufführungsumfeld ergeben sich ortsspezifische Klanginstallationen performativem Charakters.

Schlafen und Jodeln - zwei Parameter, die oberflächlich gesehen in keiner logisch argumentierbaren Verbindung zueinander stehen - werden in absurder Weise in Beziehung zueinander gebracht. Dadurch eröffnet sich ein neuer Wahrnehmungsraum, innerhalb dessen sie trotz ihrer durch kulturelle Belegtheit verknüpften Assoziationen mittels jeweils völlig neuer Kontextualisierung erfahr- und sogar konnotierbar gemacht werden. Die Verhüllung der Insel in weiße Leintücher und Laken, ebenso die liegenden Körper und Klänge - Ein grotesker Erfahrungsraum der dazu auffordert, den Gefühlen freien Lauf zu lassen um einen neuen Wahrnehmungszustand gegenüber einer Realität, die sich an die Traumwelt anlehnt, zu schaffen.

A.G.

Videolink zur Eröffnung (Dank an Wolfgang Franz)


Bearbeitung: Nicole Krenn