ABSCHLUSSFEST der 7. Wasser Biennale - Halle MESSPHYSIK Altenmarkt b. Fürstenfeld - 1.-3. Oktober 2021

ABSCHLUSS DER WASSER BIENNALE YAHOOS-GARDEN 2020-2021

Freitag 1. 10. 2021, 17 Uhr in der ehemaligen "HALLE MESSPHYSIK"
Fürstenfeld, Abfahrt Kreisverkehr Altenmarkt 180
2.-3. 10. jeweils von 14 - 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet
Ausstellung der Aufzeichnungsfahrten und Videos des "FLUCTUGRAPHEN"
von Nina MARKART.Weiters Vorstellung zweier Kataloge "Messfahrten" Markart
und der Dokumentation der Projekte der 7. Wasser Biennale
(Dank an Familie Illiewich)

"Baubeginn" Günther PEDROTTI - ab 19.6.-30.8. 2021

"Zivilisationen, die keine Schiffe besitzen, sind wie Kinder, deren Eltern kein Ehebett haben, auf dem sie spielen können. Dann versiegen ihre Träume. An die Stelle des Abenteuers tritt dort die Bespitzelung und an die Stelle der glanzvollen Freibeuter die häßliche Polizei."

[Michel Foucault: Die Heterotopien]

SOLI INSIEME von Alice VON ALTEN - ab 11.6.-30.8. 2021

SOLI INSIEME

Die Installation nimmt Bezug auf die Situation, mit der jeder seit über einem Jahr zurechtkommen muss. Für die Gemeinschaft allein sein, isoliert zu Hause mit eingeschränkten Kontakten. Alles, was das Leben in der Gemeinschaft, der Stadt, ausmacht, ist beschnitten und nur begrenzt oder ausnahmsweise möglich. Der Blick auf das Freibad, unmittelbar neben der Mariainsel, macht dies deutlich. Ein Freizeitangebot, das selbstverständlich schien - auch dies nicht mehr möglich.

Die Mariainsel, mit einem Umfang von ca. 26 Metern, wird von einem weißen, blickdichten Vorhang eingehüllt. Die ortsbezogene Installation verwandelt die Mariainsel in einen isolierten Raum, der sich von der Umgebung sichtbar abgrenzt. Die Ästhetik des weißen Stoffs erinnert an ein Lazarett, ein Kriegsspital. Das Wort Lazarett geht ursprünglich auf ein Pestkrankenhaus auf der Insel Santa Maria di Nazaretto (benannt nach Maria von Nazareth) in der Lagune von Venedig zurück. Bekannt sind ebenfalls die beiden venezianischen Inseln Lazzaretto Vecchio - sie war ein Ort, an den Pestkranke und -leichen in Venedig gebracht wurden - und Lazzaretto Nuovo - die erste Quarantänestation der Welt.

Alice von Alten beschäftigt sich in ihrer medienübergreifenden Arbeit mit der kulturellen Vermittlung von Naturbildern und -vorstellungen, den Auswirkungen, die menschliches Handeln auf die Landschaft hat, und den Rückwirkungen. „Landschaft ist immer geprägt von gesellschaftlichen Trends, dies spiegelt sich schon im Kleinen in privaten Gärten wider, und Naturwahrnehmung hat dementsprechend immer mit der Auseinandersetzung mit dem Selbst zu tun, weshalb Landschaft einen idealen Rahmen bildet, um diese Themen zu diskutieren."

In Zeiten der Pandemie zieht es Leute vermehrt auf das „Land", Outdoor-Freizeitangebote boomen, und die „Natur", das „Grün" werden idealisiert. Diese fiktiven Orte sollen Geborgenheit bieten, wir suchen Schutz und Rückhalt. Wie ordnen wir uns ein in der „Natur"? Wo sehen wir unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt, und inwiefern sind wir natürlich selbst verantwortlich für die Rückschläge der Natur?

Der Titel Soli Insieme, ital. gemeinsam allein, bezieht sich auch auf die Lage der Mariainsel im öffentlichen Raum, welcher grundsätzlich jedermann zugänglich ist, und gleichzeitig auf das Kontaktverbot, welches unser Leben seit über einem Jahr dominiert.

Alice von Alten

 

VERANSTALTUNG ist VERSCHOBEN !!! Nina MARKARTs Fluctugraph mit Biber & Co. ab 29.5.2021 (in Übersbach Fluss Rittschein Pöltlmühle)

Die Wasser Biennale YAHOOS-GARDEN und die Künstlerin Nina MARKART in Kooperation mit Biber & Co. an der Rittschein.

Lange unbeachtet unterstützen Biber & Co. seit Jahren das Bemühen der Wasser Biennale, in der Region ein Netzwerk von Vorflutergräben und Bächen in „Kanaler Landnahme" mit Booten zu befahren.
Bedarf es für einen hydraulischen Aufstau etwa vorhandener erweiterbarer wasserbautechnischer Einbauten wie Wasserdurchlässe oder betongeglätteter Uferzonen, gelingt dieses Unternehmen Biber & Co. in naturbelassenen Bachläufen mit Leichtigkeit.

Gleichzeitig lenken die Tiere den Blick des Betrachters auf die Wasseroberfläche, wobei die Tätigkeit des Stauens einen Gutteil des Faszinosums ihrer Leistungen auszumachen scheint.
Diese aufgestauten Räume wirken auf uns. Ihre geglätteten und alles verschließenden stillgelegten Wasserflächen erscheinen vielen als Fremdkörper in dieser Landschaft, indem sie eine Hochwassergrammatik - wie nicht abfließendes stillstehendes Wasser - als Bildvorlage überhöht darstellen, was sich bei Markarts seismografischen Erkundungsfahrten auch als ein zeichnerischer Stillstand ablesen lässt.

Deren Betrachtung soll aber auch Anlass bieten, den Begriff Natur neu zu denken - ganz im Sinne des Alltagskulturforschers Wolfgang Pauser, der vorschlägt, statt weiterhin von „Natur" richtiger- und ehrlicherweise vom „Outdoor-Bereich" unserer Zivilisation zu reden: „Was wir heute Natur nennen, ist ein Artefakt, eine symbolische Repräsentation jenes Zustands, von dem wir uns einst abgestoßen haben, um zivilisierte Menschen zu werden. ‚Outdoor‘ ist ein treffender neuer Name für die Natur, die keine mehr ist. Er klingt nach Marketing und spricht dabei ganz ehrenhaft die Wahrheit."(1)

(1) Wolfgang Pauser, „Outdoor, die Wildnisform des Paradieses", in: Falstaff Living 02/2017 (Verwilderung im Paradies), S. 62.

Günther Pedrotti, 2021

Anfahrt_PDF

WB-Film im Zentrum für zeitgenössische Kultur in Nantes Frankreich, 14. Februar 2021

Frankreich - Am 14. Feb 2021 wird der Eröffnungsfilm der 7. Wasser Biennale Fürstenfeld 2020 im Zentrum für zeitgenössische Kultur in Nantes in Frankreich im Programm zu sehen sein. Vielen Dank an den Kameramann Wolfgang Franz.

Zentrum für zeitgenössische Kultur in Nantes, Frankreich
https://www.lelieuunique.com/evenement/experiment-120-jardins-fantastiques/

LINK: Video schon jetzt anschauen!

 

Marmorsilo von Nicole KRENN am 13.8.2020 (Am Ende Baumgasse / Fürstenfeld)

Folder mit Text von Wojciech CZAJA

Marmordekorationsmalerei - an der Außenwand eines Betonsilos.

Marmor in der Architektur symbolisiert Macht und Repräsentation. Diese Dekorationsmalerei erinnert uns unter anderem daran, dass Machtausübung nur eine Täuschung sein kann. Ebenso wie die Herrschaft des Menschen über die Natur, die keine Realität, sondern gut getarnte Illusion ist.
NK

Wasser auf Stein

Die Marmormalerei von Nicole KRENN bildet GESTEIN in einer Landschaft ab wo dieses nur gebrochen und geschliffen als Schotter, als Geschiebe in Flüssen sichtbar lagert.

Hans-Dieter Bahr schreibt in seinem Text „Gezeiten": „Über das Bild des Gesteins scheint man zur Metapher eines erinnerungsfähigen Gedächtnisses zu kommen, da sich an seiner Oberfläche Zeit durch Abtragung permanent einzuschreiben versucht". Doch soll das liquide Wasser hier vorerst nur in seiner Abwesenheit eine Rolle spielen, obwohl wir uns über einer geologischen Formation befinden wo die unzugänglichen Tiefen des Gesteins in liquider Form als Lava an die Oberfläche traten.

„Da diese unzugängliche Tiefe des Gesteins sich nicht ergründen lässt versuchen wir sie an seiner Oberfläche aufzubrechen und als Sub-stanz zu verstehen". Mit intuitivem Zugang, wo Erfahrung und Erkenntnis nahe zusammenliegen, stehen wir heute vor jenen Grenzsteinen, die 1719 wenige Kilometer von hier gesetzt wurden - Grenzzeichen aus der Substanz Stein die eine Grenzlinie mit der Erinnerung an unbezwingbare Berge als vermeintlich natürliche Grenze zu behaupten verstehen.

Neben den vom Wasserbau und Wasserkraft stillgelegten, stehenden und stagnierenden Gewässern erscheinen uns neuerdings bedingt durch die planetarische Physik des Wetters Bilder von abwesenden verronnenen Fluten in sogenannten Trockenbächen. Dort „taucht mit dem Trockenen die ereignislose Dauer eines Gesteins, eines Grundes wieder auf, von dem die Fluten einst getragen waren"(Bahr).
In Hilflosigkeit vor der Natur verfügt der Mensch bei Flüssen nur die Gestaltungsmöglichkeit, die Wasserhöhe zu bestimmen und ihre Ufer zu formen. Das stillgelegte Wasser selbst nimmt dabei immer die Gestaltung eines klaren Spiegels an, der den tragenden Untergrund STEIN als Erinnerungsträger durch einen Reflexionskanal abzulösen versucht. Denn was sich über diesen Spiegel als anwesend reflektiert, wird nicht eingeschrieben und nicht bewahrt.

Und somit sind wir bei Nicole Krenns Kunst-Marmorsilo angelangt, der von sich als Bauwerk behauptet zwischen Erde und Himmel einen Keller und einen Dachboden zu haben; dazwischen gemaltes Gestein von ereignisloser Dauer oder als verlässlicher Träger von Erinnerungen!?

Günther Pedrotti, Wien 5.8.2020

 

Marmorsilo: Nicole Krenn

Fluctugraph von Nina MARKART am 01.08.2020 (Fluss Feistritz neben Mariainsel / Fürstenfeld)

Es handelt sich beim Fluctugraphen um eine analoge Low-Tech-Vorrichtung, wo Stifte, die mit dem Bootskörper in Verbindung stehen, Aufzeichnungen auf Papier vollbringen. Durch die unterschiedlichen Frequenzen der Bewegungen der Gewässer hinterlassen die Stifte unterschiedliche Spuren auf dem Papier im Rumpf des Bootes.
Der Fluctugraph, zeichnet als Aufnahme- und Ausgabe-Medium die Spuren von etwas auf. Aber wovon? Vom Wind, der über das Wasser streicht, dem Wellengang oder von der Strömung des Wassers, welche durch die Windungen des Flusses verändert wird. Es gibt keine linear-decodierbare Informationen, sondern Zeichnungen mit vielschichtigen Bedeutungen.
N. M.

Der hier verwendete Bootstyp des sogenannten Banana-Bootes ist wohl den meisten unbekannt und überrascht mit seinem Aussehen. Er wurde Anfang der 70iger Jahre entwickelt und kann als FALTBOOT transportiert und vor Ort aufgeklappt werden, womit seine Handhabung ein wesentlicher Teil der Betriebsanleitung ist, um Nina Markarts mobilen Fluctugraphen in Gang zu setzen.

Die Künstlerin nimmt anschließend nicht selbst Platz - sie überlässt es drei Stiften den Wasser- und Wellengang des Bootes auf zu zeichnen. Der Low-Tech-Aufbau selbst besteht aus durch Gewichte vorgespannte Stahldrähte, die als Schwingungsverstärker Stifte bewegen. Eine aufgelegte horizontale Holzplatte als Träger des Zeichenblattes macht im Betrieb schnell klar, dass nicht die Zeichenstifte, sondern das Boot sich unter den Stiften bewegt. Diese haben dabei die Tendenz, gebremst durch ihre Trägheit, wie eine Kompassnadel nicht nach Norden, wohl aber zum Erdmittelpunkt zu orientieren.
Der Künstlerin ist in diesem Projekt nicht das Befahren eines Flusses wichtig - es ist die Bewegung an sich, seine verschiedenen Wellenfrequenzen im Wasser - und das kann auch in einem Freibad durch Menschen oder in einem Springbrunnen durch Pumpen bewegt sein - die es gilt wahrzunehmen.

Markarts Fluctugraph erinnert an einfache technische Lösungen der Strömungsmessung im 19. Jahrhundert, wo schwimmende Glaskugeln in die Strömung geworfen und deren Bewegungen photographisch vermessen wurden.
Doch sind diese Zeichnungen nicht nur mechanistische Übertragungen einer Maschine die dem Bootskörper am Ende einer jeden Messfahrt entnommen werden: es handelt sich vielmehr um ein Protokoll eines Überschusses in der Wirkung über eine Ursache hinaus. Denn untereinander korrelieren alle grafischen Aufzeichnungen, da grundsätzlich Wasserwellen sowohl in Modellsimulationen als auch in Naturgröße die Fähigkeit besitzen übereinstimmende mathematische Eigenschaften ab zu bilden.
Auch deshalb scheinen uns die Zeichnungen des Fluctugraphen noch näher an eine naturwissenschaftliche Aussage hinzuführen.

Von diesen Betrachtungen ableitend kann den Aufzeichnungsfahrten des Fluctugraphen wohl auch die metaphorische Rolle einer seismischen Aufzeichnung des gesellschaftlichen Wellenschlags der Wasser Biennale zugesprochen werden.

Günther Pedrotti, Wien Sep 2020

Die Zeichnungen werden 2021 in einer Ausstellung in FF gezeigt werden!!!!!!

Dazu erscheint ein Katalog.

Nina Markart Fluctugraph

Vocal Naps - Flow III am 01.08.2020 (auf der Mariainsel / Fürstenfeld)

VOCAL NAPS - FLOW III Konzept: Anne Glassner, Nicole Krenn, Mona Rabofsky

Mitwirkende: Patricia Bustos, Karin Diaz, Anne Glassner, Hartwig Hermann, Regina Hügli, Dominik Krenn, Nicole Krenn, Mona Rabofsky, Fred Riegler

Vocal Naps wird die Mariainsel in Fürstenfeld im Zuge der 7. Wasser Biennale performativ und klanglich bespielen. Vocal Naps ist ein Format, in dem die ProtagonistInnen im Rahmen kurzer Naps an ungewöhnlichen Orten im öffentlichem Raum unterschiedliche Verbindungen mit vokalen Experimenten, derzeit vordergründig basierend auf Jodlern, eingehen. Die dramaturgische Handlung ist dabei auf ein Minimum reduziert. In Auseinandersetzung mit dem Aufführungsumfeld ergeben sich ortsspezifische Klanginstallationen performativem Charakters.

Schlafen und Jodeln - zwei Parameter, die oberflächlich gesehen in keiner logisch argumentierbaren Verbindung zueinander stehen - werden in absurder Weise in Beziehung zueinander gebracht. Dadurch eröffnet sich ein neuer Wahrnehmungsraum, innerhalb dessen sie trotz ihrer durch kulturelle Belegtheit verknüpften Assoziationen mittels jeweils völlig neuer Kontextualisierung erfahr- und sogar konnotierbar gemacht werden. Die Verhüllung der Insel in weiße Leintücher und Laken, ebenso die liegenden Körper und Klänge - Ein grotesker Erfahrungsraum der dazu auffordert, den Gefühlen freien Lauf zu lassen um einen neuen Wahrnehmungszustand gegenüber einer Realität, die sich an die Traumwelt anlehnt, zu schaffen.

A.G.

Videolink zur Eröffnung (Dank an Wolfgang Franz)


Bearbeitung: Nicole Krenn